Zum Werk von Karin E. Ruegg

Aus dem Referat zur Vernissage im Januar 2005 im Gluri-Suter-Huus in Wettingen von Dr. Gerhard Frick, Historiker, Zürich

"....In der Tat ist die Fähigkeit, einen Gegenstand oder eine Idee darzustellen, immer noch ein vertrauenswürdiger Ausweis dafür, dass jemand  malen kann.
Karin Ruegg hat den Nachweis ihres Könnens auch für herkömmliche Ansprüche erbracht. Darüber hinaus huldigt sie mit ihrer Malerei dem Neuartigen. Die meisten Bilder sind gegenstandslos. Doch sie sind nicht "umwerfend neu" - zum Glück! Denn umwerfend Neues gibt es - von blosser Hässlichkeit bis zum provokativen Unsinn - in unserer Gegenwart schon zur Genüge. Rueggs Bilder sind nicht ohne Kühnheit und unverwechselbare Eigenart, aber auch nicht ohne Anklang an Früheres. Oft kommen einem beim Betrachten ihrer Gegenstandslosigkeiten eben doch Gegenstände oder gedankliche Assoziationen in den Sinn.

Und man darf sich unter ihren Formen und Farben etwas vorstellen.
Sie will ja nicht tote Kleckse übermitteln, sondern etwas Lebendiges mitteilen, eine Empfindung oder einen Gedanken, und die Malerin freut sich, wenn die Mitteilung vernommen wird. Sie ermutigt Sinnfindung, indem sie ihren Kompositionen nicht selten Titel gibt, manchmal mit einem ganzen Satz, der zum Verständnis beitragen soll...
Karin Ruegg sucht das Gespräch, nicht nur mit dem Unendlichen, mit Gott, mit der Kreatur. Sie sucht es ganz besonders mit dem geliebten Menschen und gewiss auch mit dem Betrachter ihrer Bilder.
Darum fühlt man sich von ihren gegenstandslosen Bildern nicht abgewiesen. Sie sprechen einen an, auch die Visionen von chaotisch urweltlichen Räumen und die kühnen Explosionen ungedämpfter Farben.
Mit ihrem Respekt vor der Tradition unterscheidet sich Karin Ruegg von jenen Zeitgenossen, die nichts weiter begehren, als mit Teufelsgewalt neu zu sein. Sogar der wahrhaft revolutionäre Picasso hat einmal gesagt, er wünsche, dass seine Werke trotz ihrer Ungewohntheit auch ein Erlebnis von Vertrautheit hervorrufen."